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Die Geschichte des Fair Isle Strickens

Fair Isle gehört zu den Shetland Inseln, einer Inselguppe in der Nordsee, etwa 200 Kilometer von Schottland und Norwegen entfernt. Heute leben auf den Inseln insgesamt etwa 24.000 Menschen, 69 davon auf Fair Isle. Haupterwerbszweige auf Fair Isle sind die Fischerei, die Landwirtschaft und die Herstellung von Strickpullovern, für die die Insel berühmt ist. Man nennt sie auch „Insel der Vögel und Pullover“.
Einer Legende zufolge wurde 1588 ein Schiff der Spanischen Armada im Sturm auf die Felsen von Fair Isle geworfen. Die Geschichte erzählt, dass die gestrandeten Seeleute den Inselbewohnern das Stricken von vielfarbigen Mustern bei-brachten. Welcher Wahrheitsgehalt auch immer dieser Legende innewohnt, so hat doch der Handel zur See und die Hochseefischerei zu einem regen Austausch von Strick-techniken und -mustern geführt.

Ende des 19. Jahrhunderts gewann das Fair Isle Stricken zunehmend an Popularität. Das raue Klima erklärt die wach-sende Beliebtheit der warmen wollenen Pullover. Das Leben auf Fair Isle war arm und für die Fischer riskant. Ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1897 berichtet von einem schweren Unglück auf See. 8 Fischer verloren im Sturm ihr Leben, sie hinterließen 4 Witwen, 24 Kinder und 2 Großmütter (insgesamt lebten nur 200 Menschen auf der Inselgruppe). Die Herstellung und der Verkauf von insel-typischen Strickwaren war eine zusätzliche Einnahmequelle für das Familieneinkommen und vor allem natürlich für die Familien, in denen der „Haupternährer“ fehlte. Noch in den 1950ern und 1960ern hätten viele Haushalte ohne das zusätzliche Einkommen aus dem Verkauf selbst gestrickter Pullover nicht auskommen können

1862 erschienen im „Shetland Advertiser“ die ersten Anzeigen zum Verkauf von Strickwaren in Shetland. Schnell wurden die Fair Isle Produkte als exotische Souvenirs für Reisende interessant.
Auch im 20. Jahrhundert war für die Frauen das Stricken nicht nur geliebter Zeitvertreib sondern harte Arbeit, die zur Ernährung der Familie beitrug. „The more you could knit, the more you could eat“.

Farben
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Garne vorwiegend ungefärbt verarbeitet. Ab den 1920ern wurden Garne auch industriell gefärbt. Heute steht eine erstaunliche Vielfalt an Farben bereit, sorgfältig in Nuancen voneinander abgestuft.
Grundsätzlich soll durch die Farbwahl das typische Fair Isle Muster deutlich sichtbar sein. Deshalb muss es einen Kontrast geben zwischen den Hintergrundfarben und dem Muster, entweder hell auf dunkel oder dunkel auf hell. Zu Beginn der Arbeit werden die Farben in Gruppen eingeteilt, eine Gruppe für den Hintergrund, die andere für das Muster. Zum Beispiel eignen sich für den Hintergrund sanfte, neblige, nur nuanciert abgestufte Farben, dann benötigt das Muster im Vordergrund kräftigere Farben. Je deutlicher die Hintergrundfarben und die Farben des Musters voneinander abweichen, desto deutlicher tritt das Muster in den Vordergrund. Nähern sich beide Farbgruppen in der Intensität an, so wirkt das verschwommener. Farben setzen sich gegeneinander oder auch miteinander in Szene. Neben einer dunklen Farbe wirkt jede Farbe heller, neben einer helleren Farbe wirkt sie dunkler.
Und: Je mehr Farben verwendet werden, desto lebendiger wirkt das fertige Strickstück.

Die folgenden Bilder geben einige Beispiele für die Wirkung der Farben und mögliche Farbkombinationen.

 
Typisches X O X Muster
Typisches X O X Muster

Muster
Es gibt inzwischen eine Vielzahl von typischen Mustern. Das erste Strickbuch wurde in den späten 1920er Jahren veröffentlicht, es zeigt die Muster noch zweifarbig, wie sie auch häufig gestrickt wurden, entweder grün oder blau und rot.
Insgesamt sind die Mustersätze klein und werden ständig oder im Wechsel mit anderen kleinen Mustern regelmäßig wiederholt.

Technik:
Grundsätzlich werden immer nur 2, maximal 3 Farben gleichzeitig verarbeitet, die etwa alle 2 Reihen gewechselt werden. Im Laufe eines Strickstücks kann so relativ mühelos eine Vielzahl von verschiedenen Farben zum Einsatz kommen. Die Strickerinnen auf Fair Isle verwenden verschiedene Techniken beim Stricken von 2 Farben. Entscheidend ist die Geschwindigkeit, mit der gestrickt werden kann. Beide Fäden mit der rechten bzw. linken Hand führen, beide Fäden über den Zeigefinger laufen lassen oder über
Zeigefinger und Mittelfinger oder den einen Faden links, den anderen Faden rechts führen, je nach individueller Vorliebe. Um lange Spannfäden zu vermeiden, wird der gerade nicht gestrickte Faden eingewebt, ebenso werden Anfang und Ende der Fäden direkt verwebt. So erübrigt sich das Vernähen der Fäden.

Am einfachsten werden Muster in der rechten Reihe gestrickt.
Deshalb werden auf den Shetland Inseln alle Strickstücke rund und glatt rechts gearbeitet. Dies ist das ganz Besondere an der Fair Isle Technik. Auch Pullover und Jacken können rund gestrickt werden bis zur Schulter, dabei werden die Armausschnitte und bei Jacken die vorderen Seiten aufgeschnitten. Das ist relativ einfach und risikofrei.
An den geplanten „Öffnungen“ werden Steeks gestrickt. Das sind extra aufgenommene Maschen, die im Wechsel zweifarbig gestrickt werden. In der Regel zwischen 4 und 10 Maschen. Am Ende werden diese Steeks genau in der Mitte aufgeschnitten. Durch die Technik des 2farbigen Strickens wäre es theoretisch bei der Verwendung von Shetland Garnen nicht einmal notwendig, diese Schnitte durch eine Extranaht zu sichern. Das Garn verwirkt sich so wunderbar, dass es an den Schnittkanten nicht ribbelt. Aber natürlich empfiehlt sich immer eine Sicherung durch eine Naht.
Auch diese Technik ist dem Umstand geschuldet, dass ein Strickstück möglichst mühelos und schnell gefertigt werden sollte.

Shetland Garne
Shetland Garne

Material Shetlandwolle:
Für die traditionellen Fair Isle Strickmodelle wird die Shetlandwolle verwendet, die vom kurzwolligen Shetland Schaf stammt. Diese Wolle ist leicht (z.B. 25g/115 m bei der 2ply, entspricht Nadelstärke 3 mm), durch die starke Kräuselung der Faser ist sie trotzdem sehr warm. Die originalen Fair Isle Pullover werden nach der Fertigstellung sogar einige Zeit Wind und Wetter ausgesetzt, damit sie leicht anfilzen. Dadurch erhöht sich die Winddichtigkeit der Strickwaren. Wolle kann bis zu 33% des eigenen Trockengewichts an Wasser aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen und leitet Feuchtigkeit schnell ab. Und Wolle hat eine isolierende Wirkung, sie wärmt gerade deshalb gut, weil die eigene Körperwärme nur wenig entweichen kann. Darüber hinaus ist sie fast knitterfrei, nimmt Schmutz schlecht an, ja, ist sogar selbstreinigend. Wolle nimmt Gerüche nur schlecht auf, bzw. gibt sie schnell wieder ab. So sind die wunderbaren Fair Isle Pullover auch noch pflegeleicht. Hin und wieder ins feuchte Wetter hängen erspart das regelmäßige Waschen.

Traditionelles Fair Isle – Neue Ideen und Modelle mit traditionellen Techniken
Mit der Technik des Fair Isle Strickens lassen sich viele bunt gestrickte moderne Designs anfertigen. So ist es z.B. auch möglich, Dreiecktücher mit Hilfe dieser Technik zu arbeiten. Gerade aus Skandinavien kommen inzwischen viele Anregungen, die das Fair Isle in ausgefallene Designs umsetzen. Und auch eigene Ideen zur Farb- und Mustergestaltung lassen sich mit etwas Übung wunderbar anfertigen. Shetlandwolle eignet sich auch hervorragend zum Filzen. Durch die enorme Farbauswahl bleibt hier viel Gestaltungsspielraum. So erhält eine über Jahrhunderte gepflegte Tradition neue Einflüsse und hilft bei der Realisierung ausgefallener, sehr individueller Kleidung. Jedes Stück ist ein Unikat!

Und hier noch einige Tipps!
Wer die Technik des Fair Isle Strickens erlernen möchte, informiert sich sicher besser detailliert mit Hilfe eines guten Strickbuches, wie unten angeführt. Leider gibt es diese Fachliteratur bislang nur in englischer Sprache.

Die meisten Informationen und Illustrationen dieses Textes entstammen aus den unten aufgeführten Büchern.

Workshops bei Wolle+Design
Wer es genau wissen möchte, sollte an einem der Fair Isle Workshops teilnehmen, um an einem Wochenende einen Puppen- bzw. Teddypullover zu stricken und dabei alle Techniken und Tricks mit der Hand zu üben. Auch die Wahl der Farben ist immer ein besonderes Thema in diesen Workshops!

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